Solar-Radweg

In den Niederlanden bahnt sich eine energiepolitische Revolution an: In der Nähe von Amsterdam wurde unlängst der erste Solar-Radweg in Betrieb genommen. Gebaut wurde der 70 Meter lange Streckenabschnitt von dem Startup-Unternehmen Solaroad. Das von der Regierung geförderte Pilotprojekt ist auf eine Dauer von drei Jahren ausgelegt.

Nach sechs Monaten zogen die Betreiber eine erste Bilanz, die durchweg positiv ausfiel: Rund 150.000 Radfahrer nutzten bis dato den solar gepflasterten Weg. Insgesamt wurden 3.000 Kilowattstunden Strom produziert. Dies ist in etwa so viel, wie zwei durchschnittliche Haushalte in dieser Zeit verbrauchen. Diese Zahlen machen deutlich, wie viel Potenzial in der Solar-Technologie steckt: Wäre das 32.000 km lange Radwegenetz der Niederlande vollständig mit Solar-Paneelen gepflastert, könnten täglich mehr als 7.000 Megawatt erzeugt werden.

Ein technisches Meisterwerk

Der Solar-Radweg in der Gemeinde Krommenie (rund 27 km nördlich von Amsterdam) ist eine technische Meisterleistung. Auf den ersten Blick scheint es sich um einen gewöhnlichen Fahrradweg zu handeln – erst bei näherem Hinsehen merkt man, dass durch den Asphalt Hunderte von Solarzellen bläulich hindurchschimmern. Die Paneele befinden sich unter einer 10 mm dicken Glasschicht. An der Konstruktion waren unter anderem der Strassenbau-Spezialist Ooms Civiel sowie das Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen Imtech beteiligt. Alles in allem wurden drei Millionen Euro in das ehrgeizige Vorhaben investiert, das nach dem Willen der Verantwortlichen weltweit Schule machen soll.

15 Jahre bis zum Erreichen der Gewinnzone

Der Knackpunkt bei jeder technischen Erfindung ist die Wirtschaftlichkeit. Nach den Berechnungen von Solaroad könnte sich ein Solar-Radweg innerhalb von 15 Jahren amortisieren – allerdings nur dann, wenn die Module in grossen Stückzahlen (und damit kostengünstig) hergestellt werden. Bei einer zu erwartenden Betriebsdauer von 20 bis 25 Jahren würde der Betreiber für fünf bis zehn Jahre satte Gewinne machen. Aufgrund der stark ansteigenden Nachfrage nach Solar-Modulen ist es gut möglich, dass sich irgendwann ein Unternehmen findet, das bereit ist, als Investor aufzutreten.

Solar-Radwege sind auch in der Schweiz denkbar

Ob es auch hierzulande irgendwann Solar-Radwege geben wird, steht in den Sternen. Die dafür benötigte Technologie ist jedoch allemal vorhanden: In der Schweiz gibt es zahlreiche Solarunternehmen, die in der Lage wären, ein solches Projekt zu stemmen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch, was auch daran abzulesen ist, dass sich Webseiten wie solar-baar.ch eines regen Zuspruchs erfreuen. Ein Netz von Solar-Radwegen könnte mittel- und langfristig ein wichtiger Baustein der schweizerischen Energieversorgung werden – die Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass in naher Zukunft entsprechende politische Weichenstellungen erfolgen.