Mietwagen USA

Unlängst geriet der Autoverleiher Hertz in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass das Unternehmen Mietwagen in den USA mit Kameras ausgerüstet hat. Nach Angaben von Firmenverantwortlichen handelt es sich hierbei um eine Zusatzausstattung des „NeverLost 6“-Systems, das den Fahrer beim Navigieren unterstützt und wichtige Anlaufpunkte auf einem Monitor anzeigt.

Angesichts der Tatsache, dass „NeverLost 6“ bereits seit Anfang 2014 in Mietwagen von Hertz installiert ist, verwundert es, dass erst jetzt eine entsprechende Meldung über die Ticker lief. Offensichtlich fühlten sich mehr und mehr Kunden davon irritiert, dass beim Fahren eine Kamera auf sie zeigte. Nach Angaben von Hertz ist eines von acht Mietfahrzeugen in den Vereinigten Staaten mit diesem System ausgestattet.

Das Unternehmen liess ausserdem durchblicken, dass die Kameras niemals aktiviert wurden. Die erforderlichen Bandfrequenzen hätten nicht zur Verfügung gestanden, sodass sie ohnehin nicht hätten genutzt werden können. Branchenexperten zufolge hat das gewaltige Medienecho in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass sowohl die Presse als auch die Hertz-Kunden noch misstrauischer geworden seien. Folglich sei es höchst unwahrscheinlich, dass Hertz seine Leihwagen aktuell dazu nutze, um seine Klienten auszuspähen.

Die meisten Mietwagen in den USA verfügen über GPS-Systeme

Kameras hin oder her – dass die meisten Mietwagen in den USA heute mit GPS- und Navigationssystemen ausgestattet sind, ist kein Geheimnis. Wer sich am New Yorker Flughafen JFK einen Wagen nimmt, um damit nach Kalifornien zu fahren, benötigt keine Landkarte mehr. Ein paar Klicks, und schon wird die gewünschte Route auf dem Hauptbildschirm angezeigt. Keine Frage: In einem Land, das über ein so weit verzweigtes Strassennetz verfügt wie die USA, sind Navigationssysteme ein echter Segen.

Wie bei jeder Technologie gibt es auch hier die Möglichkeit, dass sie nicht als Hilfsmittel, sondern zum Ausspionieren von Mietwagenkunden eingesetzt wird. Es gibt jedoch noch einen anderen Aspekt, den die Presse selten beleuchtet: Die Verleiher von Mietwagen in den USA haben seit Jahren mit hohen Verlusten zu kämpfen, die durch gestohlene Fahrzeuge entstehen. Sobald ein Wagen die mexikanische Grenze überquert, ist es äusserst schwierig, ihn je zurückzubekommen. Aus dieser Perspektive ist es nur allzu verständlich, dass heute nahezu jeder Mietwagen in den USA mit einem GPS-Signalgeber ausgerüstet ist.

Bussgeld ohne Strafmandat?

Vor einigen Jahren sorgte ein Fall für Wirbel, in dem ein Kunde des Wagenverleihers Acme Rent-a-Car gegen die Überwachungspraxis des Unternehmens klagte. In dem gemieteten Wagen war ein GPS-System eingebaut, das alle Bewegungen aufzeichnete. Innerhalb der Mietdauer registrierte das System ausserdem drei Geschwindigkeitsübertretungen. Dem Kunden wurden dafür 450 Dollar ($150 pro Übertretung) in Rechnung gestellt – und das, obwohl er in keinem einzigen Fall einen offiziellen Bussgeldbescheid erhalten hatte.

Der Richter entschied zugunsten des Klägers, sodass Acme auf seinen Forderungen sitzen blieb.
Interessant an diesem Fall ist, dass das Gericht nicht das Recht zur Überwachung von Mietwagen in den USA infrage stellte, sondern lediglich das Vorgehen des Unternehmens beim Eintreiben der „Strafgebühr“ kritisierte. In der Urteilsbegründung hiess es, der Kunde sei vor der Unterzeichnung des Vertrages nicht in ausreichender Weise über die Konsequenzen von Geschwindigkeitsübertretungen informiert worden.