Wie wird die Wirtschaft der Zukunft aussehen?

Die Rolle des Menschen in der globalisierten Wirtschaft ist ein Thema, das nicht nur in der Presse, sondern auch in den bekannten Talkshows immer wieder aufgegriffen wird. Spätestens seit Beginn der Schuldenkrise in den Jahren 2008/2009 fragen sich immer mehr Leute, ob und wie lange das heutige Wirtschaftssystem noch Bestand haben wird. Bezeichnenderweise werden derartige Fragen häufig von durchschnittlichen Arbeitnehmern gestellt – nicht nur von fachlich versierten Menschen, die als Manager/-innen tätig sind oder eine Ausbildung zur HR Fachfrau absolvieren.

Dient der Mensch der Wirtschaft oder umgekehrt?

Eine der häufigsten Fragen, die im Zusammenhang mit den ökonomischen und sozialen Umwälzungen unserer Zeit gestellt wird, ist die, ob die Wirtschaft noch dem Menschen dient oder ob sich die Gleichung inzwischen umgekehrt hat. Schaut man sich die Verhältnisse in den Unternehmen an, drängt sich der Eindruck auf, dass die Interessen der Eigner inzwischen klar über denen der Arbeitnehmer stehen. Dies trifft freilich nicht auf jede Firma zu: Ausnahmen gibt es vor allem im Bereich der familiengeführten Betriebe sowie in Branchen, in denen ein hohes Mass an Kollegialität herrscht – etwa bei privaten Pflegediensten.

Eine HR Fachfrau nimmt die Perspektive einer Beobachterin ein und kann diese Entwicklung leichter erkennen als jemand, der sein ganzes Berufsleben als Sachbearbeiter in einer Versicherung verbracht hat. Gerade als junge HR Fachfrau nimmt man die Situation in Unternehmen unbefangen wahr und zieht andere Rückschlüsse als Ökonomen, die den klassischen 9-to-5-Job als ein nicht zu hinterfragendes Modell betrachten. Bei ihrer Arbeit in Personalabteilungen lernen die angehenden HR Fachfrauen Menschen aus den unterschiedlichsten Hierarchieebenen kennen und bekommen ein Gefühl dafür, was sie bewegt und wo ihre Bedürfnisse liegen.

Firmen gibt es erst seit rund 150 Jahren

Um den Ist-Zustand objektiv analysieren zu können, ist es nötig, einen Blick in die Geschichte zu werfen. Unternehmen in ihrer heutigen Form gibt es erst seit kurzer Zeit: Genaugenommen kamen Firmenkonstruktionen, wie wir sie kennen, erst mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert auf. Anfänglich hatten Unternehmen so gut wie keine Rechte – schon gar nicht solche, die ursprünglich dem Menschen vorbehalten waren. Dies änderte sich erst mit der zunehmenden Kommerzialisierung fast aller Lebensbereiche, die im frühen 20. Jahrhundert ihren Anfang nahm.

Eine HR Fachfrau hat derartiges Hintergrundwissen häufig parat – die meisten Arbeitnehmer denken jedoch, dass in der Wirtschaft schon immer alles so war, wie es heute ist. Sie sind daher selten in der Lage, sich vorzustellen, wie eine am Menschen orientierte Wirtschaft – und damit auch menschlich orientierte Unternehmen – aussehen könnten. Ein bedeutender Faktor ist dabei die wöchentliche Arbeitszeit, die sich trotz jahrzehntelanger Bemühungen der Gewerkschaften noch immer nicht verkürzt hat.

Hier wäre ein guter Ansatzpunkt, um die Wirtschaft wieder auf ein Mass zurückzuführen, das mit den Interessen der Menschen vereinbar ist. Schon eine Reduzierung auf 30 Wochenstunden schafft gewaltige Freiräume, die zur geistigen Weiterentwicklung genutzt werden könnten. Von der höheren Lebensqualität der Arbeitnehmer würde letztendlich auch die Wirtschaft profitieren – schon alleine deswegen, weil sich die krankheitsbedingten Fehlzeiten drastisch reduzieren würden.